3. Juli 2015

Besucherbergwerk Klosterstollen in Barsinghausen [3]


Fortsetzung von Teil 2 (und Schluß)

Abb. 31: Anfang (Pferdestall) und Ende (Förderwagen-Seilbahn) des Besucher-Rundganges. Aufnahme am Ende des Wagenumlaufes
Nach ca. 1300 Metern endet die Einfahrt im Personenbahnhof in Nähe der Grundstrecke, wo der Abbau der Kohle einst begann. Nachdem sich die Besucher herausgezwängt haben, werden sie gleich in zwei Grüppchen aufgeteilt. So bleibt alles überschaubar und jeder hat die Chance, den bald einsetzenden Worten des Besucherführers auch akustisch folgen zu können. Die breit auffahrenen Strecken kommen dem entgegen. In manchen anderen, eher engen Besucherbergwerken hat man als Letzter in der Reihe meistens die Arschkarte gezogen, sofern der Besucherführer es nicht für notwendig erachtet, seinen Vortrag erst dann zu beginnen, wenn auch der letzte Besucher eingetroffen ist (und am Ort genügend Platz zur Verfügung stünde). Im BBW Klosterstollen gibt man sich jedoch Mühe, es nicht so weit kommen zu lassen.
Die Befahrung des BBW erfolgt auf einem Rundkurs im Uhrzeigersinn (vgl. hierzu Abb. 28 in Teil 2). Als erste Station dient der ehemalige untertägige Pferdestall der Grube. Die dort postierte Vitrine und deren Inhalt standen bei meinem zweiten Besuch in Barsinghausen nicht mehr auf dem Programm. Das ist vielleicht ganz gut, denn selbst „Geologie- und Mineralogieunkundige“ merken gleich, dass die meisten Exponate im Glaskasten thematisch dort fehl am Platze sind und qualitativ sehr niedrig sind. Die Kiste bleibt 2015 im Dunkeln.


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Abb. 32: Vitrine | Pferdestall

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Abb. 33: Vitrinen-Inhalt

Abb. 34: Station (2)
Großlochbohrmaschine
Abb. 35: Station (3)
Schüttelrutsche

Abb. 36: Station (3)
Schüttelrutsche
Abb. 37: Station (2-4)
Anstehendes Kohleflöz
Abb. 38: Station (2)
Großlochbohrmaschine
Abb. 39: Station (3-4)
Rutschenstreb | Panzerkettenförderer
Abb. 40: Station (6-7)
Kippstelle | Überkopflader

Abb. 41 Station (10)
Schrämmaschine


Im Folgenden der insgesamt zweistündigen Tour erläutert der kundige Besucherführer an den einzelnen Stationen die technischen Zusammenhänge, die den Deister-Bergbau kennzeichneten. Einiges des ausgestellten und in Betrieb gesetzten Equipments kam allerdings in anderen Zechen zum Einsatz.

Man sieht das Auffahren von Strecken, das Vorbereiten einer Sprengung,  den wohl in jedem BBW aufgestellten Überkopflader, Bohrgezähe und die Gewinnung der Kohle am Kohleflöz sowie einige Fördereinrichtungen zum Ausbringen.


Abb. 42: Blick in den Brems-
berg | Station (7) Kippstelle

An fast alle Stationen wird nicht nur geredet sondern auch „gemacht“. Förderbänder laufen an, Druckluftbohrer produzieren lautstark ein wenig Gesteinsmehl; es rumpelt, zischt und quietscht. Garniert wird das Ganze mit Einblicken in alte, abgeworfene Strecken und einen Wasser“löser“.

Eigentlich ganz nett, aber irgendwie will sich ein möglichst authentisches Bild von der harten Arbeit der fast rein manuellen Kohlegewinnung im nur 60 cm mächtigen Flöz nicht einstellen - bei meinem ersten Besuch nicht und auch nicht beim zweiten Male. Woran liegt es? Zunächst sicherlich an der Kohle selbst. Die ist im Vergleich zu manchen Buntmetallerzen „unspektakulärer“, Spötter könnten auch „langweiliger“ sagen. (Getoppt wird dieses nur noch durch den Salzbergbau). Das aufgestellte technische Equipment ist vielleicht schon zu modern, als das hier im BBW „echtes Altbergbaufeeling“ aufkommt. Ein Schrämhobel ist nun einmal keine Hacke. Die fein geschotterte, befestigte und trockene Sohle tut ihr Übriges dazu.

Die Erläuterungen sind gut und routiniert – man(n) ist textsicher. Sehr gelungen fand ich die Erläuterungen zur Einschienenhängebahn im Kontext zu den regionalen geologischen Verhältnissen (Tonschichten im Liegenden) und der Erfordernis eines kontinuierlichen Bergbaubetriebes. Eine lebendige, nachvollziehbare Schilderung des hiesigen Bergbaus über die gesamte Betriebszeit vermisse ich jedoch. Hier fällt das BBW Klosterstollen zum BBW Hüttenstollen im Osterwald klar zurück. Man versucht mit kalter Technik zu punkten. Das kommt nicht bei jedem Besucher an. Auch bei mir nicht immer. Manchmal stand ich stirnrunzelnd vor manchen „Konstruktionen“, die gangbar gemacht wurden. Der Wust an Kabeln, Schläuchen, Rohren und anderem Kleinzeug (z.B. am Wasserrad und an der Streckensenkmaschine „Luise“) hat mehr Charakter einer Dauer-Improvisation, die ständig ergänzt werden muss, einer Bastelarbeit, die sicherlich im rauen Bergbaubetrieb nicht lange halten würde, denn einer endgültigen sauberen technischen Lösung. Wild abgehängte KG-Rohre, fliegende Elektrokabel und Steckdosenleisten aus dem Baumarkt vermurksen den überwiegend positiven Gesamteindruck an manchen Stationen. Die Authentizität geht dabei leider öfters „flöten“.
 

Abb. 43: Blick durch die Kopfstrecke
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Abb. 44: Station (8-9)
Kopfstrecke

Abb. 45: Station (10) | SteckenSenk-
maschine zum söhligen Nachreißen


Abb. 46:
Strecken-Senkmaschine
Abb. 47: Station (11)
Einschienenhängebahn
Abb. 48: Grundstrecke
Nordfährt | Wasserstrecke
Abb. 49: Station (13)
Wasserrad
Abb. 50: Station (14)
Klosterstollen | Richtstrecke
Abb. 51: Station (14)
Förderwagen-Seilbahn
Abb. 52: Station (13-14)
Abb. 53:
Einmündung Wagenumlauf (rechts)
Abb. 54: Am Personenbahnhof

Die erste Gruppe ist „durch“ und muss zur gemeinsamen Ausfahrt auf die andere am Personenbahnhof warten. Der Grubenführer versteht es in erstklassiger Manier, das lange Zeitloch mit weiteren Details aus der Geschichte der Gruben im Deister nebst einigen Anekdoten mühelos (und ohne zu langweilen) zu füllen. Das hat gefallen. In manchen anderen BBW kommt es öfters vor, dass solche Zwangspausen in stiller Öde abgesessen werden müssen, da die Besucherführer über den einstudierten Text hinaus kaum mehr sagen können.

Abb. 55: Blick vom Personenbahnhof vom Wagenumlauf (links) zum ca. 1300 Meter entfernten Mundloch des Klosterstollens
Einfahrten sind ganzjährig von Montag bis Samstag möglich, allerdings nur auf Voranmeldung. Wenn Sie Pech haben, dann finden sich nicht genug Interessenten für eine Einfahrt und Führung. Alternativ zahlen Sie dann den Mindestgruppenumsatz von 100,-- Euro alleine. Die Preisgestaltung ist moderat und zum Gebotenen angemessen. Ein ansprechendes Museum und die Möglichkeit zur Einkehr erhöhen den Besucherwert. Nimmt man allerdings den mit Superlativen gespickten Werbetext auf der Einstiegsseite der Internetpräsentation (*) unter die Lupe, dann muss man doch einige Abstriche machen. Ein gewisses „Etwas“, einen echten Höhepunkt vermisse ich hier.

Der Besuch des BBW Klosterstollen ist dennoch empfehlenswert. Um allerdings einen umfassenderen Eindruck vom Kohlebergbau in Niedersachsen zu gewinnen, sollten unbedingt zusätzlich auch das BBW Hüttenstollen sowie der Feggendorfer Stollen aufgesucht werden. So wird’s rund.  

Glück auf! 

Klosterstollen Barsinghausen
c/o Alte Zeche - Gemeinnützige
Betriebs GmbH
Hinterkampstraße 6
30890 Barsinghausen

Tel.: (05105) 51 41 87
Email | Homepage






(*)  Erleben Sie jetzt das Abenteuer Bergbau und treten Sie ein in unsere faszinierende Welt des Klosterstollens. Tauchen Sie ab in die 300-jährige Geschichte des Deisterbergbaus und erleben Sie in spannenden Vorführungen wie mutige Männer echte Schätze zu Tage förderten. Unser liebevoll restauriertes Besucherbergwerk enthüllt nach 1380 Metern horizontaler Einfahrt seine geheimnisvolle Welt unterm Deister.“